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Pressespiegel

Nach Herzstillstand war plötzlich alles anders

27.08.2015, Therapie Steffen Keim kämpfte sich nach Koma ins Leben zurück

MEISENHEIM Von einem Wunder zu sprechen, ist sicher übertrieben. Es sind harte, messbare Faktoren, die dazu geführt haben, dass Steffen Keim wieder gehen und sprechen kann. Doch dass er wieder jeden Sonntag eine Strecke von bis zu 20 Kilometern bei Volkswanderungen mitlaufen kann, ist zumindest ungewöhnlich. Und daran haben die Mitarbeiter der Abteilung für neurologische Rehabilitation am Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim einen nicht unerheblichen Anteil.

Was war passiert? Der 46-Jährige war ein lebenslustiger Mann, der mit seiner Lebensgefährtin in der Region um Niederkirchen im Landkreis Kaiserslautern ein unbeschwertes Leben führte. Keim war Versandleiter eines mittelständischen Unternehmens. Er war Raucher, wanderte gern und feierte Feste, wie sie kamen – lebensbejahend eben. Bis sich am 30. Januar dieses Jahres alles änderte.

Gehirn lange ohne Sauerstoff

Keim spürte schon am Morgen auf der Arbeit Schmerzen im Kreuz und wollte sich schließlich von einem Kollegen nach Hause fahren lassen. Doch dort kam er an diesem Tag nicht mehr an. Er kollabierte während der Fahrt und hatte großes Glück, dass der Arbeitskollege die Situation blitzartig erkannte.

Sofort ging es mit dem alarmierten Rettungswagen ins nächste Krankenhaus und auf die Intensivstation. Diagnose: Herzinfarkt und Herzstillstand. In den Folgetagen lag er im Koma. Auch an die nächsten Wochen erinnert sich Keim heute kaum noch. Die künstliche Beatmung musste mit einem Luftröhrenschnitt vorgenommen werden, weil er den üblichen Beatmungsschlauch nicht vertrug. Das Gehirn musste künstlich gekühlt werden.

Am 24. Februar wurde Keim in die Reha-Abteilung des Gesundheitszentrums Glantal verlegt. Der dortige Chefarzt, Dr. Khalil Anton Assaf, erinnert sich gut an Steffen Keim: „Er konnte auch drei Wochen nach dem Vorfall nicht stehen und nicht gehen. Herrn Keims Gehirn war bis zu fünf Minuten ohne Sauerstoff geblieben. Wir erwarteten schwerwiegende dauerhafte Lähmung, Gehunfähigkeit, Sprachstörung und Verlust der kognitiven Fähigkeiten.“

Keims Puls erinnerte den Chefarzt eher an die Anzeige eines Equalizers, so sehr schwankten die Werte unregelmäßig auf und ab. Das Gehirn war stark beeinträchtigt, er war orientierungs- und hilflos. Sprechen, zwei einfache Aufgaben auf einmal bewältigen – alles kaum möglich. Assaf: „Also haben wir das Prinzip der sogenannten Hirnplastizität genutzt und ein Konzept erarbeitet, das wir speziell auf Herrn Keims Bedürfnisse abgestimmt und die Komponenten je nach Heilungsverlauf angepasst haben.“

Motivierende Gespräche und verschiedene Therapien sollten den einst fidelen Mittvierziger wieder in die Spur bringen. Und der gab sein Bestes: „Im Verlauf der Rehabilitationsbehandlung bin ich bis zum Umfallen mit dem Rollator gefahren. Ich musste wieder gehen lernen“, erzählt Keim heute und erinnert dabei äußerlich kaum an den schwerkranken Mann, der er im Frühjahr war.

Natürlich gab und gibt es Tage, an denen es nicht so gut läuft. Doch dass Keim heute wieder an Wanderungen des Deutschen Volkssportverbandes (DVV) teilnimmt, ist ein Zeichen dafür, dass es weit mehr gute als schlechte Tage gibt. Und es ist das Ergebnis eines Gesamtprozesses.

Das therapeutische und medizinische Angebot eines Krankenhauses kann noch so gut sein – wenn der Patient im Kopf nicht frei und bereit ist für die Hilfestellungen, dann nützt das beste Konzept nichts. Assaf lobt seinen ehemaligen Patienten: „Er hatte rasch verstanden, dass er keine Diagnose ist, sondern ein Mensch. Der menschliche Körper und Geist bergen unglaubliche Kräfte, wie man an Herrn Keim sieht.“

Was für den Körper das Beste ist

Viel Kraft verliehen haben Steffen Keim auch sein soziales Umfeld und der Austausch mit Gleichgesinnten. „Ich weiß jetzt, was für meinen Körper das Beste ist. Die Wanderungen und die Hausarbeit helfen mir heute mehr als Therapien. Vor drei Monaten hatte ich noch massive Probleme beim Treppensteigen. Jetzt haben wir bei einer Wanderung sogar schon die 20 Kilometer geknackt“, freut sich Keim. Es liegt ihm am Herzen, anderen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, Mut zu machen.

Das Rauchen hat er übrigens aufgegeben. Steffen Keim steht weiterhin nicht allein da: Seine Lebensgefährtin Anja Leu hat ihn bei sich aufgenommen, bis er die eigene Wohnung wieder vollends selbst bestellen kann. Und die Arbeit im Haushalt scheint wieder gut zu funktionieren. Jedenfalls freut sich Anja Leu jedes Mal, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt. Sie betont: „Die Wohnung ist sauber, und wir haben mehr Zeit für uns.“Markus Wakulat

Öffentlicher Anzeiger, 27. August 2015

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