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Pressespiegel

Der Schlag kommt oft auf ganz leisen Sohlen

09.05.2015, Medizin Im Kreis Bad Kreuznach 500 Fälle jährlich

KREIS BAD KREUZNACH Er kommt oft auf leisen Sohlen, völlig unerwartet, und lässt akut keinen Spielraum. Beim Schlaganfall zählt jede Minute. „Zeit ist Hirn“, sagen die Neurologen. Und Philipp Köhler, der Pressesprecher des DRK-Rettungsdienstes Rheinhessen-Nahe, unterstreicht: „Je schneller Betroffene ins richtige Krankenhaus kommen, desto besser sind ihre Chancen auf Genesung.“

Deshalb tut Aufklärung Not. Der „Tag gegen den Schlaganfall“, den die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe 1999 ins Leben gerufen hat und der am Sonntag ansteht, soll dazu beitragen. Ebenso wie der Welt-Hypertonietag eine Woche später, denn Bluthochdruck fällt oft und lange nicht auf und ist Risikofaktor Nummer eins für Herzinfarkt und Schlaganfall. Beängstigend: Zwischen 20 und 30 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland unter Bluthochdruck.

Die Statistik ist gnadenlos: Etwa 270 000 Schlaganfälle werden pro Jahr bundesweit registriert. Im Kreis Bad Kreuznach sind es rund 500 jährlich, nennt Dr. Ernst-Dieter Lichtenberg, Leiter des Kreuznacher Kreisgesundheitsamts, Zahlen, die nachdenklich stimmen. Zu den Menschen hinter den Zahlen zählt der Bad Kreuznacher Alexander Schmitt. Ihn trifft der Schlag mitten im Urlaub. Sechs Jahre ist das her. Und passiert an der Côte d'Azur in Südfrankreich.

Menschen hinter den Zahlen

Schmitt ist leidenschaftlicher Taucher. Auch an diesem Tag steigt er zunächst wohlgemut aus dem Wasser. Als er später unter der Dusche steht, wird ihm plötzlich schwindelig. Die Beine versagen ihren Dienst. Die typischen Symptome. Glücklicherweise ist seine Frau Renate dabei. Sie reagiert instinktiv richtig. Ruft die Ambulanz, die sofort einen Helikopter anfordert. Schmitt landet im Krankenhaus in Toulon. Sein Zustand: halbseitig gelähmt, Ausfallerscheinungen. Eine Woche später wird er vom ADAC nach Frankfurt geflogen und von dort aus in die Glantalklinik Meisenheim gebracht. Dort erholt er sich. „Gott sei dank“, sagt er heute, auch wenn danach vieles nicht mehr so flott geht.

Im September vergangen Jahres trifft ihn erneut der Schlag. Am Esszimmertisch, an dem er so gern und ausführlich die Zeitung liest. Plötzlich fehlen ihm die Worte. Er nuschelt nur noch. Ehefrau Renate denkt zunächst, er scherzt, dann wird ihr klar: Die Lage ist ernst. Sie ruft den Notarzt. Es folgt fast dieselbe Prozedur wie Jahre zuvor. Doch diesmal dauert es mit der Erholung. „Jetzt bin ich schon gehandicapt“, beschreibt Schmitt seinen Zustand. Das Sprechen klappt, aber beim Gehen benötigt er Hilfe. Längere Spaziergänge sind nicht mehr möglich. Schon die wenigen Schritte in den Garten fallen schwer. Permanent muss er Medikamente nehmen. Aber aufgeben will der 63-Jährige nicht. „Man muss damit leben, sich darauf einstellen“, lautet seine Devise.

Unterstützung findet er bei seiner Frau und den beiden Töchtern. Sie stärken ihm ebenso den Rücken wie die Bad Kreuznacher Schlaganfall-Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Physiotherapeut Sven Stoldt. Alle vier Wochen treffen sie sich, die Schicksalsgefährten, im Café Wonsyld. „Das ist wichtig“, erklärt Schmitt, weil man so auch andere Fälle kennenlernt. Er jedenfalls ist froh, dass es für ihn noch so glimpflich ausgegangen ist.

Ein großer Wunsch ist bis jetzt allerdings unerfüllt geblieben: wieder zu tauchen. Das hat er 40 Jahre lang mit Begeisterung getan. Seine Ärzte runzeln natürlich die Stirn. Aber weil seine Frau ebenfalls taucht und ihn unterstützt, will er weiter daran arbeiten. „Ich muss halt Geduld haben“, weiß er.

Warnung und Hoffnung zugleich

Die Geschichte von Alexander Schmitt soll Warnung sein und Hoffnung schüren. Das Wichtigste ist, so die Experten, die Symptome eines Schlaganfalls ernst zu nehmen, nicht auf den Hausarzt zu setzen, sondern immer den Notruf 112 zu wählen. Der Rettungsdienst diagnostiziert und stellt schon unterwegs die Weichen für eine Erfolg versprechende Behandlung in einem der Akutkrankenhäuser mit den sogenannten Stroke-Unit-Einheiten. Jeweils vier Plätze stellen die Bad Kreuznacher Kliniken St. Marienwörth und die Diakonie sowie das Gesundheitszentrum Glantal in Meisenheim. Auch in Mainz und Idar-Oberstein werden die Stroke-Unit-Anforderungen erfüllt.

„Damit sind wir in der Region gut aufgestellt“, sagt Köhler. Und Dr. Stefan Scholvien, Oberarzt in der Diakonie, unterstreicht: „Die Versorgung ist gut.“ Im St. Marienwörth ist Oberarzt Dr. Michael Bracko Chef der Schlaganfalleinheit, die pro Jahr rund 350 Patienten behandelt. Er nennt als entscheidende Kriterien „die frühe Aufnahme des Patienten, Erfassung von Ausmaß und Ursache des Schlaganfalls, sofortige Einleitung der Therapie, kontinuierliche Überwachung sowie früh einsetzende Rehabilitation.“ Nur so können Todesfälle, stationäre Pflegebedürftigkeit und mögliche Behinderungsgrade minimiert werden.“

Öffentlicher Anzeiger, 9. Mai 2015

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